Stimmt das? Der AfD-Faktencheck

Wir prüfen Aussagen der AfD an Zahlen und Fakten. Wir sagen auch, was die AfD wirklich erreicht hat. Wir stellen kritische Fragen. Und wir zeigen, warum Antisemitismus und Fremdenhass gefährlich sind.

So arbeiten wir: Wir prüfen Aussagen, nicht Menschen. Jede Antwort hat eine Quelle. Wo etwas stimmt, schreiben wir das. Wo etwas offen ist, schreiben wir auch das. Stand: 2. Oktober 2026.

1. Faktencheck: Aussagen der AfD

Das Urteil steht oben rechts in jeder Karte. Falsch Irreführend Teilweise richtig Offen / Kritisch

„Mehr als die Hälfte der Bürgergeld-Empfänger sind Ausländer.“
Irreführend
Was stimmt

Ausländer sind beim Bürgergeld stärker vertreten als in der Bevölkerung.

Was nicht stimmt

Nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (2025) hat rund die Hälfte der Empfänger einen deutschen Pass. Ohne deutschen Pass sind etwa 47 Prozent. Viele davon sind Ukrainer, Syrer und Afghanen mit Schutzstatus. Eine oft geteilte Grafik mit „5,3 Prozent Deutsche“ ist falsch gelesen: Die 5,3 Prozent sind der Anteil der Bürgergeld-Bezieher an allen Deutschen.

Wichtig

Viele ausländische Empfänger arbeiten, zahlen Steuern oder stocken ihr Gehalt nur auf.

„Ausländer sind bei Straftaten überrepräsentiert.“
Teilweise richtig
Was stimmt

In der Polizeilichen Kriminalstatistik machen Nichtdeutsche etwa 40 Prozent der Tatverdächtigen aus. Ihr Anteil an der Bevölkerung ist deutlich kleiner.

Was fehlt

Die Zahl vergleicht nicht gleiche Gruppen. Unter Zuwanderern sind mehr junge Männer, und junge Männer begehen überall häufiger Straftaten. Viele leben in Großstädten, wo es mehr Kriminalität gibt. Manche Taten (etwa Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht) kann nur ein Ausländer begehen. Die Statistik zählt Verdächtige, keine Verurteilten.

Fazit

Die Zahl ist echt. Der Schluss „Ausländer sind eben so“ ist es nicht.

„Die Sexualstraftaten steigen wegen der Migration.“
Irreführend
Einordnung

Fachleute sehen für den Anstieg der angezeigten Taten vor allem zwei Gründe: Das Strafrecht wurde verschärft („Nein heißt Nein“, 2016) und mehr Opfer zeigen Taten an. Zuwanderung erklärt den Anstieg nicht allein. Jede einzelne Tat bleibt schlimm und muss bestraft werden.

„Die Migration kostet 50 Milliarden Euro im Jahr.“
Irreführend
Einordnung

Faktenchecker nennen für die Ausgaben des Bundes eine deutlich niedrigere Summe (rund 36 Milliarden Euro). Je nachdem, was man mitzählt, ändert sich die Zahl stark. Die Kosten sind real, auch für Städte und Länder. Aber man muss auch die Einnahmen sehen: Steuern und Sozialbeiträge von Zugewanderten, die arbeiten.

„Zuwanderung bringt uns nichts, wir brauchen keine ausländischen Fachkräfte.“
Irreführend
Einordnung

Deutschland altert. In den nächsten Jahren gehen mehr Menschen in Rente, als junge nachkommen. In Pflege, Bau, Handwerk und Gastronomie fehlen schon heute Arbeitskräfte. Wirtschaftsforscher sagen: Ohne Zuwanderung schrumpft die Zahl der Beschäftigten. Das ist keine Entschuldigung für schlechte Integration. Aber „bringt nichts“ stimmt nicht.

„Atomstrom ist CO₂-neutral und der billigste Strom.“
Falsch
Was stimmt

Im Betrieb stößt ein Atomkraftwerk fast kein CO₂ aus.

Was nicht stimmt

„Neutral“ ist es nicht: Bau, Uran-Abbau und Entsorgung verursachen Emissionen. Beim Preis ist es noch deutlicher. Die Stromgestehungskosten des Fraunhofer-Instituts (ISE) zeigen: Neue Atomkraftwerke gehören zu den teuersten Quellen. Wind und Sonne sind am günstigsten.

„Wind und Sonne machen den Strom teuer und das Netz instabil.“
Irreführend
Einordnung

Erneuerbare senken an der Strombörse den Preis. Teuer sind vor allem Netzentgelte und ein Netz, das zu langsam ausgebaut wird. Das ist ein echtes Problem. Es ist aber ein Problem des Netzes, nicht der Sonne und des Windes selbst.

„Der Klimawandel ist nicht (oder kaum) vom Menschen gemacht. CO₂ ist kein Schadstoff.“
Falsch
Einordnung

Die Wissenschaft ist sich einig: Die Erwärmung der letzten 150 Jahre kommt vor allem von Treibhausgasen aus Kohle, Öl und Gas (Weltklimarat IPCC). Man kann streiten, wie man darauf reagiert, zum Beispiel über Kosten und Tempo. Dass es den Klimawandel durch Menschen gibt, ist aber kein Streitpunkt unter Fachleuten.

„‚Remigration‘ heißt nur: Wer ausreisepflichtig ist, muss gehen.“
Irreführend
Was stimmt

Ausreisepflichtige Menschen abzuschieben ist geltendes Recht. Das fordern auch andere Parteien.

Was nicht stimmt

Beim Treffen bei Potsdam (November 2023) ging es nach den Recherchen von CORRECTIV um mehr: Auch Menschen mit deutschem Pass, die „nicht assimiliert“ seien, sollten das Land verlassen. Das widerspricht der Menschenwürde (Artikel 1 Grundgesetz). Das Kammergericht Berlin hat 2026 entschieden, dass man das Treffen „Deportationskonferenz“ nennen darf.

„Das Treffen in Potsdam hatte nichts mit der AfD zu tun.“
Teilweise richtig
Was stimmt

Es war keine offizielle Veranstaltung der Partei. Eingeladen hatten Privatleute.

Was fehlt

Mehrere AfD-Politiker nahmen teil, auch ein damaliger Referent der Parteichefin Alice Weidel. Dazu kamen ein bekannter Rechtsextremist aus Österreich (Martin Sellner), Unternehmer und zwei Mitglieder der CDU-nahen „WerteUnion“. Der Referent trat später zurück.

„Die AfD ist keine rechtsextreme Partei. Der Verfassungsschutz macht das aus politischen Gründen.“
Offen / Kritisch
Stand heute
  • Der Bundesverfassungsschutz führt die AfD seit 2021 als Verdachtsfall. Gerichte haben das bestätigt (zuletzt Oberverwaltungsgericht Münster, 2024).
  • Im Mai 2025 stufte das Bundesamt die Partei als „gesichert rechtsextremistisch“ ein. Es sah einen Volksbegriff, der Menschen nach Herkunft ausschließt. Das wurde nach der Klage der AfD vorläufig ausgesetzt.
  • Am 26. Februar 2026 entschied das Verwaltungsgericht Köln im Eilverfahren: Das Bundesamt darf die Partei vorerst nicht so einstufen. Das Hauptverfahren läuft. Die Einstufung als Verdachtsfall bleibt.
  • Die Landesämter in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt stufen die dortigen Landesverbände als gesichert rechtsextremistisch ein.
Fazit

Ob die ganze Partei „gesichert rechtsextrem“ ist, hat kein Gericht endgültig entschieden. „Alles nur Politik“ stimmt aber auch nicht: Gerichte prüfen jeden Schritt.

„Unser Steuer- und Rentenkonzept macht alle besser.“
Offen / Kritisch
Einordnung

Die AfD verspricht höhere Renten, eine Rente nach 45 Beitragsjahren ohne Abzüge und niedrigere Steuern. Kritiker rechnen vor: Eine hohe Pauschalsteuer entlastet vor allem hohe Einkommen. Dem Staat fehlten dann Milliarden. Woher das Geld für höhere Renten kommen soll, ist nicht klar erklärt. Das ist keine Lüge, aber ein Versprechen ohne Rechnung.

2. Was hat die AfD bisher erreicht?

Fair gefragt: Was hat die AfD in Deutschland wirklich bewirkt? Die ehrliche Antwort ist: weniger, als sie sagt, aber nicht nichts.

Gesetze

Im Bundestag ist die AfD in der Opposition. Ein Gesetz, das sie eingebracht hat, wurde bisher nicht beschlossen. Ihre Anträge werden fast immer abgelehnt. Im Bund und in den Ländern regiert sie nirgends.

Themen auf die Tagesordnung gebracht

Die AfD hat die Themen Migration, Euro-Politik und die Aufarbeitung der Corona-Zeit stark besetzt. Zur Corona-Zeit forderte sie früh eine Aufarbeitung. 2025 setzte der Bundestag dazu eine Enquete-Kommission ein. Wie groß ihr Anteil daran ist, bleibt Ansichtssache.

Wähler erreicht

Die AfD spricht Menschen an, die sich von anderen Parteien nicht gehört fühlen, vor allem im Osten und in strukturschwachen Regionen. Das ist ein Signal an alle anderen Parteien, nicht nur an die AfD.

Kontrolle der Regierung

Wie jede Oppositionspartei stellt sie Anfragen und fragt bei der Regierung nach. Das gehört zur Demokratie. Manche Anfragen haben Zahlen ans Licht gebracht, die sonst nicht veröffentlicht worden wären.

Vor Ort

Seit 2023 gibt es einen AfD-Landrat in Sonneberg (Thüringen) und einen AfD-Bürgermeister in Raguhn-Jeßnitz (Sachsen-Anhalt). Der Landrat bestand die Verfassungstreue-Prüfung. Seine Bilanz ist umstritten: Kritiker verweisen auf Geldprobleme des Kreises und geschlossene Einrichtungen. Der Landkreis hat auch Probleme, die nicht allein vom Landrat abhängen.

Gegenseite

Im Januar 2025 stimmte der Bundestag über einen Antrag der Union zur Migration ab. Die Mehrheit kam nur mit AfD-Stimmen zustande. Das löste große Proteste und eine Debatte über die „Brandmauer“ aus. Ob das ein „Erfolg“ ist, sehen Menschen sehr unterschiedlich.

Unser Fazit: Die AfD hat die politische Debatte verändert. Praktische Verbesserungen im Alltag, die man ihr als Gesetz oder Regierungsarbeit zuschreiben kann, gibt es bisher kaum. Das liegt auch daran, dass sie bisher nirgends regiert.

3. Kritische Fragen an die AfD

Diese Fragen sollte man sich selbst und der Partei stellen. Antworten findest du in Programmen, Reden und Interviews.

  1. Grenzen ziehen: Warum bleiben Politiker in der Partei, die als rechtsextrem verurteilt oder eingestuft sind? Warum grenzt sich die Parteispitze nicht klar ab?
  2. Remigration: Gilt die Menschenwürde für alle Menschen in Deutschland, auch für Deutsche mit Migrationsgeschichte? Wer genau soll gehen müssen?
  3. Zahlen: Warum werden Zahlen so verkürzt, dass sie falsch wirken (siehe Bürgergeld)?
  4. Geld: Wie werden Steuersenkungen und höhere Renten gleichzeitig bezahlt?
  5. Energie: Wo kommt günstiger Strom her, wenn Wind und Sonne gestoppt und Atomkraftwerke neu gebaut werden müssten? Was würde das kosten?
  6. Europa: Viele Arbeitsplätze und Exporte hängen an der EU. Was passiert bei einem Austritt?
  7. Geschichte: Warum sagen Parteiführer Sätze wie „Vogelschiss“ oder „Denkmal der Schande“ und wollen die Erinnerung an den Holocaust beenden?
  8. Regieren: Wo hat die Partei gezeigt, dass sie Probleme lösen kann, nicht nur anprangern?

Diese Fragen gelten auch für andere Parteien. Wer gut wählen will, fragt alle.

4. Die Gefahr: Antisemitismus und Fremdenhass

Warum das wichtig ist: Zwischen 1933 und 1945 haben die Nationalsozialisten sechs Millionen Juden ermordet. Es fing mit Hetze gegen Gruppen an. Deshalb steht in Artikel 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das gilt für jeden Menschen.

Was in der AfD gesagt und getan wurde

  • Alexander Gauland (Ehrenvorsitzender) nannte 2018 die Nazi-Zeit einen „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte.
  • Björn Höcke (Thüringen) nannte 2017 das Holocaust-Mahnmal in Berlin ein „Denkmal der Schande“ und forderte eine „erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“.
  • Höcke wurde 2024 zweimal verurteilt, weil er die verbotene SA-Parole „Alles für Deutschland“ benutzte. Der Bundesgerichtshof bestätigte die Urteile. Sie sind rechtskräftig.
  • Wolfgang Gedeon (Baden-Württemberg) schrieb antisemitische Texte und wurde 2016 nach langem Streit aus der Landtagsfraktion gedrängt.
  • Das Treffen bei Potsdam 2023 (siehe oben) zeigt, wie offen in diesem Umfeld über die Ausweisung von Menschen mit deutschem Pass geredet wurde.
  • Umfragen und Studien (zum Beispiel der Amadeu Antonio Stiftung) fanden unter AfD-Anhängern häufiger antisemitische Einstellungen als im Durchschnitt.

Wichtig und fair

  • Nicht jedes AfD-Mitglied und nicht jeder Wähler ist ein Antisemit oder Rassist. Wir verurteilen keine Menschen pauschal.
  • Die AfD sagt, sie sei gegen Antisemitismus, und verweist auf Judenhass unter Islamisten. Der ist real und muss bekämpft werden. Antisemitismus gibt es in mehreren Gruppen. Das macht ihn in der eigenen Gruppe nicht kleiner.
  • Kritik an der Politik Israels ist nicht automatisch antisemitisch. Hass auf Juden als Juden ist es immer.

Warum Fremdenhass uns allen schadet

  • Wer Menschen wegen Herkunft, Religion oder Hautfarbe abwertet, trifft heute eine Gruppe und morgen die nächste.
  • Rund 25 Prozent der Menschen in Deutschland haben eine Einwanderungsgeschichte. Sie sind unsere Nachbarn, Kollegen, Ärztinnen und Pfleger.
  • Hass führt zu Gewalt: gegen Menschen, Synagogen, Moscheen und Unterkünfte. Er schreckt auch Fachkräfte ab, die wir brauchen.
  • Probleme bei Integration und Sicherheit muss man ansprechen. Aber mit Lösungen, nicht mit Hetze.

Was du tun kannst

  • Widersprich ruhig und freundlich, wenn jemand Hetze verbreitet. Frag nach der Quelle.
  • Teile keine Grafik oder Zahl, die du nicht geprüft hast.
  • Melde antisemitische Vorfälle bei RIAS. Betroffene rechter Gewalt finden Hilfe bei den Opferberatungsstellen (VBRG).
  • Geh wählen. Informiere dich vorher bei allen Parteien.

5. So prüfst du selbst

  1. Wer sagt das? Wer hat etwas davon?
  2. Gibt es eine Quelle? Ist es die Originalzahl, zum Beispiel vom Statistischen Bundesamt oder der Bundesagentur für Arbeit?
  3. Was wird verglichen? Gleiche Gruppen, gleiche Jahre?
  4. Was fehlt? Zahlen ohne Zusammenhang können lügen.
  5. Suche nach „Faktencheck“ plus Thema, zum Beispiel bei CORRECTIV oder dem ARD-Faktenfinder.

6. Quellen

Hinweis: Zahlen runden wir und nennen „etwa“. Gerichtsverfahren laufen weiter. Wir aktualisieren, wenn sich etwas ändert. Fehler gefunden? Schreib uns an info@bw-media.tv.